ENTWURF ZUR HANDREICHUNG  "FAHRRAD-WEGWEISUNG"
ADFC-Bundesfachausschuß Verkehrsplanung  -  Arbeitsgruppe Wegweisung (AG -WW)
Dipl.-Ing. Ralf Boecker, Terrasse 26, 34117 Kassel, Tel. 0561/771687, email: boecker@uet.e-technik.uni-kassel.de

Inhalt

  1. Einführung
    1. Zielgruppen
    2. Qualitätssicherung
  2. Wegweisungs-Systematik
    1. Strecken-Wegweisung
    2. Routen-Wegweisung
    3. Zielangaben
    4. Ergänzende Schilder
  3. Gestaltung der Wegweiser
    1. Größen der Wegweiser
    2. Beschriftung
    3. Aufstellung und Montage
  4. Organisation
    1. Planungsprozeß
    2. Bauliche Voraussetzungen
    3. Wegweisungs-Kataster
    4. Unterhaltung
    5. Zuständigkeiten

1 Einführung

Fahrradwegweisung erschließt Radwege und hat dadurch große Bedeutung zur Förderung der Fahrradnutzung. Sie sollte bei einer grundlegenden Netzplanung beginnen und über die reine Aufstellung von Schildern hinaus die Herausgabe von Kartenwerken sowie Werbemaßnahmen umfassen.
 

1.1 Zielgruppen

Vor einer Routenauswahl muß die Zielgruppe festgelegt werden, da sich daraus unterschiedliche Anforderungen an die Wegequalität ergeben:
1. Radverkehr: direkte, effiziente, bei jedem Wetter nutzbare Verbindungen zwischen Alltags- und Freizeitzielen (z.B. Schwimmbad), innerorts und zu benachbarten Orten.
2. Sportliche Radtouren: zügig befahrbare, attraktive Strecken mit Rennrad-tauglicher Oberfläche und schwach bis mäßigem Autoverkehr.
3. Erholungs-Radtouren: landschaftlich reizvolle Strecken, Autoverkehr vermeidend. Für Familientouren muß die Strecke durchgängig für Kinder geeignet sein.
Radfernwanderer benötigen überregional zusammenhängende Routen der Gruppen 2 oder 3.

1.2 Qualitätssicherung

Durch unzureichende oder unklare Wegweisung können Nutzer verunsichert werden. Wenn sie dadurch die Route verlieren, ist das sehr ärgerlich und die Wegweisung größtenteils unbrauchbar (=> Geldverschwendung !). Weil einmal realisierte, mangelhafte Wegweisungs-Systeme oft nur sehr schwer zu korrigieren sind und einer späteren, verbesserten Neuplanung entgegenstehen, folgt als Grundsatz gegen "faule" Kompromisse:
Lieber keine als eine schlechte Wegweisung !
Umgekehrt gilt: Nicht am falschen Enden sparen: Die Kosten für ausreichend große Schilder oder zusätzliche Masten für bessere Sichtbarkeit sind gering, verglichen mit den Aufwendungen für Planung, Umsetzung und ggf. Baumaßnahmen.
Qualität statt Quantität: Bei begrenztem Budget sollten zunächst nur einzelne Routen oder Teilabschnitte realisiert werden, dafür aber ohne Abstriche an Qualität. Ein flexibles Wegweisungs-System erlaubt den stufenweise Ausbau ("wachsende Wegweisung").
Unabdingbar ist auch eine laufende Unterhaltung, um den Bestand eines einmal geschaffenen Wegweisungs-Systems nachhaltig zu sichern (Vandalismus etc.).

2 Wegweisung-Systematik

Die Wegweisung muß flexibel sein, damit spätere Ergänzungen und Vernetzung jederzeit möglich sind ("wachsende Wegweisung"). Wegweisung für Hin- und Gegenrichtung sind stets unabhängig voneinander (keine Doppelpfeile o.ä.!), was auch unterschiedliche Führung erlaubt (z.B. Einbahnstraßen, Steigungen). Grundsätzlich muß die Kontinuität einer begonnen Wegweisung bis zum ausgewiesenen Ziel gewährleistet sein.

2.1 Strecken-Wegweisung

Strecken-Wegweisung führt den Radverkehr zwischen Netzknoten ("Zwischen-Wegweisung"). Sie sind neutral gehalten, weil verschiedene Routen auf derselben Strecke verlaufen können. Es gibt 7 Standardelemente, die kostengünstig zu beschaffen und für Unterhaltung o. Umleitungen leicht vorzuhalten sind. Sie sollten zahlreich und möglichst in Sichtweite voneinander stehen, damit eine sichere Führung auch noch gewährleistet ist, wenn einzelne Wegweiser ausfallen oder übersehen werden (redundante Wegweisung).

Pfeilwegweiser links, rechts und geradeaus
Bild 2.1: Pfeilwegweiser links (PL), rechts (PR) und geradeaus (PG)
 

Vorwegweiser für Abbiegung und Versatz
Bild 2.2: Vorwegweiser für Abbiegung (AL, AR) und Versatz (VL, VR)
 

Pfeilwegweiser markieren Abbiegungen
Bild 2.3: Pfeilwegweiser (PL, PR) markieren Abbiegungen und zeigen exakt (nicht schräg) in Fahrtrichtung. Bei Montage an einem gemeinsam genutzten Pfosten ist dieser stets so aufzustellen, daß die Wegweisung aus beiden Fahrtrichtungen gesehen jeweils auf der rechten Seite stehen.

Gabelung
Bild 2.4: (a) An Gabelungen sind Pfeilwegweiser geradeaus (PG) aus Fahrtrichtung meist besser zu erkennen als Pfeilwegweiser (PL, PR).

Routenbestätigung durch Pfeilwegweiser
Bild 2.4: (b) Bei Abzweigungen bestätigen Pfeilwegweiser geradeaus (PG), daß es geradeaus weitergeht. Entfallen können sie an Stellen, von denen aus bereits der nächste Wegweisung deutlich sichtbar ist. Pfeilwegweiser geradeaus dürfen an gemeinsamen Pfosten auch auf der linken Seite stehen.
 

Abbiege-Wegweiser (AL, AR) stehen als Vorankündigung 10...50 m vor Abbiegungen, wenn ein (falscher) Weg geradeaus weiterführt oder in einen untergeordneten Weg abzubiegen ist (redundante doppelte Sicherung).

Abbiegewegweisung
Bild 2.5: Abbiege-Wegweiser (AL, AR) als zusätzliche Sicherung, falls die Situation eine falsche Fahrtrichtung suggeriert (der Pfeil-Wegweiser kann ausfallen oder übersehen werden!).

Spitzkehren
Bild 2.6: (a) Abbiege-Wegweiser (AL, AR) zum Schutz gegen Geradeausfahrt in einer Spitzkehre.

Abbiegung von einer Hauptstraße
Bild 2.6: (b) Ein Abbiege-Wegweiser links (AL) vor Abbiegung von einer Hauptstraße fordert zum rechtzeitigen Einordnen auf.

Versatz-Wegweiser (VL, VR) ersetzen bei versetzten Kreuzungen u.ä. je 2 Abbiege-Wegweiser (AL, AR) und beschreiben die Situation klarer (besserer Schutz gegen Falschfahrt!):
Einfacher Versatz
Bild 2.7: Einfacher Versatz: Wegen fehlender Geradeausfahrmöglichkeit ist vor Kopf kein zusätzlicher Pfeilwegweiser rechts (PR) erforderlich. (Bei geringem Versatz kann statt eines Pfeilweegweisers links (PL) alternativ auch ein Pfeilwegweiser geradeaus (PG) in der Einmündung eingesetzt werden.)

Komplizierter Versatz
Bild 2.8: Komplizierter Versatz: Wegen der Nebenstraße ist der Versatzwegweiser rechts (VR) hier nur für eine Richtung einsetzbar.

2.2 Routen-Wegweisung

Routenwegweiser tragen Zielangaben um:
a) Radfahrer ohne Karte oder sonstiges Vorwissen auf die Route zu leiten (z.B. an Kreuzungen).
b) in Netzknoten einzelne Routen zu unterscheiden.

Hauptwegweiser und Kombitafeln
Bild 2.9: Hauptwegweiser und Kombi-Tafel

Haupt-Wegweiser (HG, HL, HR oder HB) stehen jeweils anstelle von Pfeilwegweisern (PG, PL oder PR). Die Entfernungsangaben sind wichtig für die Orientierung ohne Karte.
Kombi-Tafeln (KT) stehen als zusätzliche Vorwegweiser vor Verzweigungen in Netzknoten (anstelle von Abbiege-Wegweisern (AL, AR) bzw. Versatz-Wegweisern (VL, VR)) zur rechtzeitigen Orientierung im Fahren (und ggf. Einordnen). Für eine wachsende Wegweisung können Kombi-Tafeln (KT) aus einzelnen Modulen zusammengesetzt werden.

2.3 Zielangaben

Das Fernziel (Endziel oder markanter Etappenpunkt) kennzeichnet eine Route und die jeweilige Hauptrichtung eindeutig (besser als codierte Routen-Nummern o.ä.).
Das Nahziel gibt jeweils den nächsten auf der Route zu erreichende Ort, Ortsteil, bzw. benannten Punkt (z.B. Platz, bekanntes Gebäude) oder das Fernziel der nächsten Verzweigung an. Bei Erreichen des Fernzieles kann das Nahziel entfallen oder "Zentrum" heißen.
Alternativrouten für verschiedene Zielgruppen lassen sich durch spezielle Schriftfarben unterscheiden:
· Radverkehrsrouten (direkt, effizient, asphaltiert bzw. gute Wegequalität): dunkelblau oder rot
· Radwanderrouten (landschaftlich schön, Autoverkehr vermeidend): dunkelgrün
Weitere Unterscheidungsmerkmale können unterschiedliche Nahziele und Entfernungsangaben sein (=> direkte Verbindung oder Umweg).

2.4 Ergänzende Schilder

Ortstafel und Abschlußtafel
Bild 2.10: Ortstafel (OT) und Abschlußtafel (EW)

Ortstafeln (OT) zeigen das Ende eines Routensegments und den Wechsel auf die folgende Nahzielangabe an. Nutzung der Rückseite als Hauptwegweiser geradeaus (HG) für die Gegenrichtung bietet sich an (wie StVO-Ortsschild).
Eine Abschlußtafel (EW) wird als Zusatzschild unter dem letzten Wegweiser eingesetzt, wenn der weitere Routenverlauf der allgemeinen Straßenverkehrswegweisung folgen soll. (Wiederaufnahme einer eigenen Radverkehrs-Wegweisung erfolgt durch die normalen Routen-Wegweiser.)
Infotafeln (IT, ohne Bild) können als ergänzende Übersichtskarte zur Werbung für das Routennetz aufgestellt werden. Ihre Kenntnisnahme darf aber nicht vorausgesetzt werden (keine Rechtfertigung für codierte Routen-Nummern statt Zielangaben!)

3 Gestaltung der Wegweiser

Hierfür sind 2 Aspekte zu berücksichtigen:
1. Die Wahrnehmbarkeit des Wegweisers: Dabei spielt vor allem die "optische Konkurrenz" des Umfeldes eine wichtige Rolle (andere Schilder, Autoverkehr, Büsche u.ä.). Ferner ist damit zu rechnen, daß Radfahrer nicht immer mit voller Aufmerksamkeit nach Wegweisern ausschau halten.
2. Bei Routen-Wegweisern muß die Lesbarkeit im Herannahen bereits aus größerer Entfernung gewährlei-stet sein, damit die gesamte Information im Fahren gelesen werden kann: Die Schrift muß um so größer sein, je mehr Zielangaben vorhanden sind und je höher die zu erwartende Fahrgeschwindigkeit ist.

3.1 Größen der Wegweiser

In Anlehnung an den Standard für Zusatzschilder nach StVO werden 2 verschiedene Größen empfohlen:
· normal (n):  min. Fläche 0,2 m2
· reduziert (r): 70%, min. Fläche 0,1 m2

Schilder im Größenvergleich
Bild 3.1: Größenvergleich (Abmessungen in mm)
 
 
  Höhe/mm Hauptwegweiser (Hx) minimale Breite/mm Hauptwegweiser (Hx) minimale Breite/mm Kombitafeln (KT) minimale Schrifthöhe/mm
normal 280 1000 840 80
reduziert 200 750 600 60

Bild 3.2: Routen-Wegweiser (Abmessungen in mm): Die Schriftgröße wird wg. Lesbarkeit nur auf 75% reduziert.
Die reduzierte Größe kann angewendet werden, wenn geringe optische Konkurrenz besteht (z.B. in freier Landschaft) und die Lesbarkeit von Zielangaben gewährleistet ist (kurze Namen, insgesamt max. 4 Ziele).
Die Breite der Routen-Wegweiser richtet sich nach der Länge des Schriftzuges. Gegenüber Bild 2.9 ist noch eine etwas platzsparendere Variante möglich:

Alternative Hauptwegweiser
Bild 3.3: alternative platzsparende Haupt-Wegweiser geradeaus und rechts (HG, HR)

3.2 Beschriftung

Schrift für den Straßenverkehr, "mittel", gemäß DIN 1451-2. Falls ein Schriftzug nicht abzukürzen und trotz größtmöglicher Wegweiser-Breite zu lang ist, kann ausnahmsweise eine kleinere Schrifthöhe verwendet werden. Dies ist besser lesbar als die Schriftvariante "eng", die grundsätzlich nicht verwendet werden sollte. Entfernungen < 10 km werden mit einer untersetzten Nachkommastelle angegeben.

3.3 Aufstellung und Montage

Die Wegweiser sollen gut sichtbar, geradeaus oder maximal 2 m rechts von der Fahrlinie stehen, so daß sie für den herannahenden Radfahrer rechtzeitig erkennbar sind und weder durch parkende Fahrzeuge noch durch wachsendes Gebüsch verdeckt werden. Nötigenfalls darf an einem eigenen Pfosten nicht gespart werden.
Höhe ca. 2,25 m (Unterkante) für gute Sichtbarkeit (über parkenden Fahrzeugen), ausreichendes Licht-raumprofil und als Schutz gegen Vandalismus.
Pfeil- und Haupt-Wegweiser können wahlweise als Fahne oder mit Mittelbefestigung montiert werden.
Als Schutz gegen "Souvenirjäger" sollten alle Schilder mit Torx-Schrauben befestigt werden.

4 Organisation

Die Wegweisung für den Radverkehr erfordert einen übergreifenden Planungsprozeß. Voraussetzung für ein funktionierendes Wegweisungssystem ist die Klärung der Rahmenbedingungen im Vorfeld, insbesondere der Finanzierung und der Zuständigkeiten für Ausführung und Unterhaltung. Oft müssen auch bauliche Voraussetzungen für ein vernünftig nutzbares Radverkehrsnetz geschaffen werden.

Planungsprozeß und Umsetzung
Bild 4.1: Planungsprozeß und Umsetzung

4.1 Planungsprozeß

Im Rahmen der Netzplanung müssen zunächst die Routen entsprechend der Anforderungen unterschiedlicher Zielgruppen festgelegt werden (siehe 1.1). Die Wegweisungs-Planung erstellt auf dieser Basis ein Wegweisungs-Kataster, das als Grundlage für Beschaffung, Aufstellung und Unterhaltung dient. Dies ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die mit größter Sorgfalt durchgeführt werden muß, und deren Schwierigkeitsgrad nicht unterschätzt werden darf. Sie sollte deshalb durch erfahrene, professionelle Planer erfolgen.

4.2 Bauliche Vorausetzungen

Es ist vor allem an folgende Maßnahmen zu denken:

4.3 Wegweisungs-Kataster

Das Wegweisungs-Kataster beschreibt die Standorte und Art der Schilder, die mit Kurzbezeichnung in der entsprechenden Position und Richtung in den Routenplan eingezeichnet werden. Für Routen-Wegweiser ist zusätzlich die jeweilige Beschriftung anzugeben. Zur eindeutigen Kennzeichnung der Standorte bieten sich Gauß-Krüger-Koordinaten an.
Auswahl und Auslegung der Wegweiser erfordert eine Begutachtung vor Ort. Als Hilfe für die Aufstellung sollten dabei zugleich alle Standorte mit jeweils provisorisch dargestellten Wegweisern fotografiert werden. Dazu hat sich ein Fotoapparat mit automatischer Einblendung von Datum und Uhrzeit bewährt, die zur jeweiligen Zuordnung in den Plan eingetragen werden.

4.4 Unterhaltung

Damit eine Wegweisung dauerhaft funktioniert, muß eine laufende Unterhaltung gewährleistet sein. Mindestens einmal jährlich sollten alle Standorte turnusmäßig überprüft werden. Bei Baumaßnahmen u.ä. ist dafür zu sorgen, daß eine Umleitung ausgewiesen wird und das hinterher die Wegweisung wiederhergestellt und ggf. an die neue Situation angepaßt wird.

4.5 Zuständigkeiten

Um eine einheitlichen Standard zu gewährleisten, sollten Koordination, Netz- und Wegweisungs-Planung sowie die Sammelbestellung von Schildern mindestens auf Kreis- oder Zweckverbandsebene erfolgen, für überregionale Wegweisung auf Landes- oder Regierungsbezirksebene (z.B. Straßenbauämter).
Aufstellung entsprechend der übergreifenden Wegweisungs-Planung und spätere Unterhaltung können durch die einzelnen Gemeinden als Baulastträger erfolgen. Dort sollte die Zuständigkeit direkt beim Straßenverkehrsamt liegen (nicht etwa beim Fremdenverkehrs-, Sport- oder Umweltamt, die hierfür nicht ausgerüstet sind).


Diese Informationen zur Fahrrad-Wegweisung sind auch im Format  WinWord 6.0, gezipt (49kB)  im Internet abrufbar.
Ganz was offizielles: ADFC-Homepage

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