Es begab sich im Sommer in Zwischenahn, dass es der Wind wieder
einmal gut mit den Seglern meinte und sie viel Spaß(?) auf dem Wasser
hatten. Das Ablegen hatte perfekt geklappt und man konnte an diesem Nachmittag
sogar im Trapez stehen. Nun wurde es aber langsam wieder Zeit, zum Abendbrot
an den Steg zu kommen, die Boote fest zu machen und den Abend gemütlich
anklingen zu lassen. So wollte auch die Crew der Platsch anlegen, entschied
sich aber kurzfristig die Boje vor dem Hafen zum ruhigen Segelbergen zu
nutzen, da sich im Hafen bereits einige Boote tummelten.
Wohl war das Anlegemanöver an der Boje geglückt und die Vorleine
fest und seemännisch verknotet - doch stürzte ein Besatzungsmitglied
aus bisher nicht geklärten Gründen von Bord. War es die Zwischenahner
Krake, der berühmte Wels aus dem Meer? Oder doch nur der kurzzeitig
aussetzende Gleichgewichtssinn in Vorfreude auf die aus dem unfreiwilligen
Bad resultierenden Flasche Sherry? Der Tathergang konnte bis heute leider
nicht restlos aufgeklart werden.
Jedenfalls begann der Gefallene nach einigen erfolglosen Versuchen
wieder an Bord zu kommen, um sein Leben zu schwimmen. Das Ufer auf jedem
Wellenberg fest im Blick, die Verzweiflung und Angst vom Wels oder Kraken
gefressen zu werden in jedem Wellental in den Augen, paddelte er gegen
den Widerstand der Wellen und seiner Schwimmweste tapfer auf den Steg zu.Der
an Bord der Platsch zurückgelassene und die auf dem Steg stehenden
Leute beobachteten sein Treiben einige Zeit mit Anteilnahme und entschlossen
sich dann kühn ihm ihre Hilfe anzubieten.
Nachdem er in Rufweite an den Steg herangekommen war, gab man ihm den
kurzen aber sehr aufklärenden Hinweis, es doch einmal mit LAUFEN zu
versuchen - und siehe da, das Wasser reichte ihm etwa bis zum Bauch. Erschöpft,
nass aber doch glücklich über die gelungene Rettung wurde er
auf den Steg gezogen.
Und die Moral der Geschichte? Trübe Wasser sind oft flach. Oder
so.
Jens Schwarzer, 1. Segelfreizeit 2002