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Thomas´ Impressionen über eine Segelfreizeit 1998


So, jetzt aber endlich die Epostkarte oder fast schon eine Art Tagesreport zur 2. Segelfreizeit !

Sonntag:
Ein paar kurze Worte, vor allem an die Neuen, Schaekelausgabe und Notieren der Essenspraeferenzen. Schon der Zweite beantwortete die Frage nach den von ihm gewuenschten Essensoptionen mit "alles". Bettzeug war diesmal bei Detlef abzuholen - zumindest so lange, bis dieser den Aufwand abschaetzen konnte und einen von uns mit einem Stapel Bettzeug wieder in den Teamerraum zurueckschickte. Abendessen gab es auf Grund der geringen Teilnehmerzahl (17+4) an EINEM (kein U !) grossen Tisch. Danach das uebliche Vorstellen im Bootsschuppen: Die Juengste (17?) zeigte etwas Befremden ob der altersmaessigen Zusammensetzung der Teilnehmer und erinnerte sich daran, dass der Kurs fuer Leute ab 16 ausgeschrieben war. Wir konnten ihr glaubhaft versichern, dass alle ueber 16 waren (Durchschnitt 35?). Gegen 22:00 sind wir dann auf den Zugvoegeln rausgeduempelt, um vom See aus das Abschlussfeuerwerk zur Zwischenahner Woche zu beobachten und uns langsam an den Sherry zu gewoehnen. Einige hatten sogar die Segel gesetzt, waehrend unser Boot ausschliesslich mit Holzsegeln (Paddeln) fuhr.

Mo:
Nach dem Fruehstueck fand wie auch an den folgenden Tagen zunaechst die Bootseinteilung statt. Dann ging es bei maessigem Wind auf den See. Ein paar Aufschiesser an den Tonnen, ein bisschen Halbwind, ein paar vorsichtige Halsen... Irgendwann gab es einen Ruck in der Pinne und das Boot reagierte kaum noch auf Ruderlegen. Der Blick zur Ruderanlage verriet warum: Das Ruder wurde nur noch vom oberen Scharnier gehalten. Also: Segel runter und auf das Mobo warten. Einer der Teamer konnte den abgerissenen Beschlag am Abend wieder anschweissen.

Di:
Auf Wunsch einer Seglerin wurde mit den Zugvoegeln eine kleine Regatta veranstaltet, Modus: Bis 5 min vor Start: Segeln im Hafenbereich, aeussere Grenze ZSK Steg. Bis Start: Segeln im Bereich bis zur Hafenboje, also auf einer Flaeche von etwa 15m X 40m. Startlinie: Hafenboje - Nichtschwimmerboje. Strecke: Tonne 5, Tonne 4, Hafenboje,  Tonne 5, Hafenboje. Die Teams wurden ausgelost, wobei jeder auf seinem Los ein Tier stehen hatte, das pantomimisch darzustellen war. Nachdem sich die Teams aus gleichen Tieren gefunden hatten, wurden die Boote aufgeruestet und nach dem Beginn der Startzeit (10min) gingen die taktischen Spielchen los: Ein Boot machte bis zum Start an der Hafenboje fest, ein anderes an der Nichtschwimmerboje, zwei kreuzten wild zwischen Steg und den Bojen und wir haben uns im Hafen auf das Schwert gesetzt. Eine Minute vor Start dann das Schwert etwas gelupft und zur Ziellinie gekreuzt, davor ein wenig hin- und her und dann wenige Sekunden nach der Startzeit ueber die Linie. Wir waren die einzigen, die gestartet waren. Die anderen hatten wohl das Verschieben des Starts mitbekommen: Ein Zugvogel hatte sich vom Wind an die Buesche links des Steges druecken lassen und musste vom Mobo befreit werden. Der naechste Start verlief fuer uns nicht ganz so gluecklich. Obwohl sich jetzt ein anderes Boot an die Buesche angelehnt hatte, wurde diesmal nicht abgebrochen. Wir kamen als 3. (?) ueber die Startlinie - mit ziemlichem Abstand zum 1., aber dann lief es einfach (vor der Regatta hatte ich Antigua ein wenig gefuettert, um sie gnaedig zu stimmen. Sie hat es uns durch sanftes Schieben gedankt). Am Steg dann die Siegerehrung mit einer Flasche Sherry und einer Tuete Gummibaerchen fuer das ehrenvolle Beenden der Regatta, die nach Ansagen der Besanschoten die Runden machten.
Nach dem Abendessen war der Wind immer noch brauchbar, allerdings gab es ausser mir nur noch einen Segelinteressierten. Wir zwei haben dann ein Sonnenuntergangssegeln veranstaltet.

Mi:
Der Mittwoch begann mit einem Sonnenaufgangssegeln von Tonne zu Tonne um den See mit Anschlagen der Tonnen. Einige, auch langjaehrige, Teilnehmer kannten dieses Tonnenklatschen nur vom Hoerensagen. Nachdem auch ich ihnen begeistert von meinen beiden Tonnenklatschrunden in der ersten Freizeit erzaehlt hatte, fand sich eine erstaunlich grosse Gruppe von Willigen - zumindest so lange willig, bis ich meine Vorstellung der Weckzeit geaeussert hatte: 5:15, damit man bei Sonnenaufgang schon auf dem Wasser ist (In der ersten Freizeit hatten wir mit Aufstehen um 4:45 die Sonne gut erwischt). Am Vorabend beim Lagerfeuer noch einmal heftige Diskussionen ob Weckzeit und Sonnenaufgang wirklich dazu gehoerten ;-) Es ging dann wirklich frueh los und bei etwas weniger Wolken haetten wir auch den Sonnenaufgang sehen koennen :-(
Mittags war dann Formationssegeln angesagt: Ein Zugvogel fuhr vor, wir mit der Gruben dahinter und dann alle anderen Zugvoegel. In einer Linie mit 2 Bootslaengen Abstand quer ueber den See, an einem Punkt alle nacheinander eine Wende, dann alle auf Komando gleichzeitig mit parallelem Kurs vor den Wind, auf Kommando dann wieder gleichzeitig an den Wind, um wieder in einer Linie zu fahren. Auffaellig war, dass die Zugvoegel alle die Bremse ziehen mussten, um den Abstand zur Gruben zu halten. Danach: freies Segeln.
Am Abend gab es die wohl traditionelle Wanderung zum Faehrkroog nach Dreibergen, grosses Aalessen und Zinnloeffelausschluerfen (Korn ?) und der obligatorische Rueckweg im Dunkeln. Nur ein Segler hatte eine Taschenlampe dabei. Zu dritt sind wir dann an den kritischen Stellen dem Lichtkegel hinterher (keine Buhrufe ! ;-) und kamen so sicher an der JHB an. Zielstrebig ging es dann weiter zum (Kuehlschrank im) Bootsschuppen, um auf die anderen zu warten. Die trafen in kleineren Grueppchen so nach und nach ein und erzaehlten ihre Erlebnisse: Eine Gruppe hatte in der Dunkelheit an einer Gabel den falschen Weg gewaehlt und wurde vom ploetzlich einsetzenden Licht eines Halogenscheinwerfers quasi aus dem Grundstueck herausgeblasen. In einer anderen Gruppe fand sich jemand mit Ortskenntnis und ein morastiger Graben, in dem eine Handtasche und zwei Schuhe verloren und wiedergefunden wurden - unter Einsatz des Lebens und der Hose (beschmiert bis zum Knie) eines Seglers. Alles in allem: viel Gelaechter, auch fuer einen, der die Gefahr gescheut hat !

Do:
Durch das Tonnenklatschen hatten wir am Vortag ein besonderes Extra der JHB verpasst: Der Betreuer einer erfreulich disziplinierten Jugendgruppe hat seine Gang mit einem Trompetensolo geweckt - die Segler auch, allerdings ziemlich genau zur ueblichen Weckzeit - zumindest am Mittwoch. Am Donnerstag fing er eine halbe Stunde frueher an, war aber auch nicht so schlimm: unerwartet leise und gut genug, dass man das Lauschen auch Geniessen nennen konnte.
Wind gab es recht ordentlich, so stark, dass einige mit den Lasern das Trapezsegeln ueben konnten. Als wir kurz im Hafen festmachten, um die Fock abzunehmen, konnten wir einen Laser im Hafenbereich beobachten. Bei einem missglueckten Manoever kenterte das Boot. Der Steuermann stieg sofort auf das Schwert, waehrend sein Vorschoter ueber das Wasser lief, um erst mit dem dritten Schritt ins Leere zu treten. Spaeter erklaerte er den Trick: in der Naehe der Vorderkante des Vorsegels ueber das noch auf dem Wasser liegende Segel gehen - sah eindrucksvoll aus, einfach goettlich!
Abends spielten(?) wir im ZSK-Restaurant dann alle die Mueden, um einen vorzeitigen Rueckzug zur JHB glaubhaft erscheinen zu lassen. Eine Teamerin hatte am naechsten Tag Geburtstag und sollte um Mitternacht durch einen Besuch mit Teelichtern garnierter Segler im Damenschlafsaal geweckt werden. Sie liess sich jedoch nicht dazu bewegen, bis 24:00 dort zu sein. Also wurden die Segler zusammengetrommelt, ein Tisch mit Teelichtern und dem Geschenk der Teamer dekoriert und sie dann kurzerhand geholt. Es folgte ein kleines Staendchen, eine Runde Haendeschuetteln und Umarmen, eine Runde Sherry (was sonst, wegen der Uhrzeit mit gefluesterter Besanschot) und das Auspacken des Geschenkes: ein ferrariroter Overall - genau die Art, die die Herren-Teamer (bevorzugt mit den Haenden in den Taschen) taeglich ausfuehrten.

Fr:
Ziemlich mieses Wetter, starker Wind und haeufig Regen, was einige nicht davon abhielt, zu segeln. Zu zweit fuhren wir nach Emden, um uns die Henri-Nannen-Kunsthalle anzutun. Das Museum ist schon fuer ein paar Stunden gut. Irgendwann standen wir dann ueberrascht vor einem Bild mit dem Titel: im Zirkus (?). Zu sehen war die Manege mit einigen Zuschauerreihen und unseren drei Teamern in ihren roten Overalls - wir erkannten sie sofort, denn sie hatten die Haende in den Taschen. Nach dem Museum noch ein paar Schritte durch die Stadt und dann zurueck. Neben dem Bahnhof konnte man noch eine Dampflok (44?) bewundern, deren Fuehrerstand zugaenglich war. Das Objekt, zu dem ich nun endlich etwas sagen konnte... In Zwischenahn haben wir uns auf dem Rueckweg zur JHB noch die Aussicht vom Wasserturm angetan - viele Stufen, aber lohnenswert.
Abendessen und nochmal in den Ort, ein Kneipchen besuchen. Den Rueckweg trat ich mit der ersten Gruppe an. Es war doch schon kalt und wir hatten draussen gesessen...  Vertraute Geraeusche erreichten unsere Ohren an der Jugendherberge und das Strahlen unserer Juengsten verriet, dass sie sich wohl einigen Laternen auf dem Weg als echte Zwischenahner Seglerin vorgestellt hatte - die Jugend von heute ;-)

Sa:
Am Vormittag ging es bei ordentlichem Wind nochmal zum letzten Segeln. Es waren nur die Gruben und die Zugvoegel unterwegs - mit entsprechend starker Besatzung, teilweise auch mit der kleineren Achatfock, sah schon drollig aus. Die Gruben lag dann auch nach einiger Zeit im Wasser. Ein Crewmitglied hatte sich im Trapez von einer Seite auf die andere geschwungen - das wars dann. Als erkennbar war, dass die drei das Boot nicht alleine aufrichten konnten, ist Ove mit dem Mobo rueber. Ich durfte mit. Das Mobo geht schon gut ab, aber meinem Hintern hat es nicht so gefallen. Wir trafen zusammen mit den DLRGlern an der Gruben ein und zusammen richteten wir dann auch das Boot auf. Danach sagte mir Ove, dass ich mich fuer die Rueckfahrt besser in die Mitte setze, dort schlage das Boot in den Wellen weit weniger auf den Hintern ein. Er hatte recht, haette er aber wohl auch schon auf der Hinfahrt gehabt ;-(
Nach dem Mittagessen ging es dann an das Abbauen der Boote. Zwei von uns sind zum Boote aus dem Wasser ziehen in die Neos gekrochen. Einem der beiden ist dann noch eingefallen, dass er sich eigentlich rasieren koennte... Am Steg haben sich dann meine Plastiksandalen als recht praktisch erwiesen. Bei manchen Booten ist der Trailer einfach nicht mit zwei Mann aus dem Wasser zu bewegen. Die Boote haben wir nach und nach zu Schuppen hochgezogen, wo einzelne Teams mit Mastabbauen, Segelreinigen und -aufhaengen und Bootschrubben beschaeftigt waren. Die Boote wurden teilweise neben dem Schuppen aufgebockt, teilweise mit List durch die enge Tuer in den Schuppen getragen.
Abends gab es dann Pizza, nicht aus dem Steinofen (Er hatte sich tapfer gegen jeden Versuch gewehrt, ein Feuer in ihm anzuzuenden.) sondern aus der JHB-Kueche - lecker wars.
Eines der Gespraechsthemen ergab sich so: Einige Teilnehmerinnen hatten sich mittels einer Bravo Girl aufklaeren lassen ueber die Aufgeklaertheit der heutigen (weiblichen) Jugend. Angeblich wurde die Zeitschrift gefunden. Ich nehme an am Kiosk ;-)
 

So:
Nach dem Fruehstueck wie ueblich Schaekelabgabe und Getraenkerechnungen begleichen (habe wieder gewonnen ;-), dann grosse Verabschiedung und ab zum Bahnhof.

Resuemee: Naechtes Mal wieder - wenn es sich einrichten laesst, auch beide Freizeiten !

Ahoi
Thomas



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verantwortlich für diese Web-Präsentation: Volker Radek